Grußworte


Kirchenkreis Bielefeld

Im Namen des Kirchenkreises Bielefeld möchte ich als Superintendentin heute ganz herzliche Glückwünsche nach Jöllenbeck bringen. 160 Jahre Posaunenchor, das ist etwas ganz besonderes. Sie als Kirchengemeinde, aber auch als Bürgergemeinde, können stolz und dankbar sein. Und auch der Kirchenkreis ist dankbar für diesen Schatz reicher klingender Tradition, in der christlicher Glaube hörbar wird. Für mich als in Bielefeld aufgewachsenes Kind, dessen Vater im Posaunenchor spielte, gehört von der ersten Erinnerung an Kirche, Glaube und Posaunenmusik zusammen. Posaunen-
chöre prägen das Bild, besser ausgedrückt den Klang der Minden-Ravensberger Erweckungsbewegung.

Regine BurgKein Wunder daher, dass auch Jöllenbeck als eine Keimzelle dieser Bewegung gesegnet war und ist durch die reiche und lange Posaunenchor- Tradition. Die sich ausdrückt nicht nur in der gottesdienstlichen Begleitung, sondern auch im Kurrende-Blasen, Beerdigungs-
begleitung, im Turmblasen und Geburtstagsbesuchen bei Alten und Kranken. Die Posaune ist ein in der Bibel zentral erwähntes Instrument: Sie half Israel bei der Landnahme, zerstörte die hohen Mauern von Jericho, Blasinstrumente rufen zum Tempelgottesdienst und loben Gott nach den Psalmen und nach der Offenbarung wird die Posaune einst zum jüngsten Gericht rufen.


In dreifacher Weise ist für mich Posaunenmusik typisch, charakteristisch für kirchliches Leben, für christliche Existenz:

1.  Posaunenmusik bleibt nicht im Verborgenen. Sie dringt nach außen und ist nicht leicht zu überhören. Auch wenn das Gebet meist im stillen Kämmerlein geschieht, der Glaube selbst will nach außen dringen, will sich kundtun, seine Früchte zeigen, andere anlocken. Und in diesem Lautwerden des Glaubens, in diesem lebendigen Zeugnis, da können uns Posaunen Vorbild sein.

2.  Glaube führt nicht in die Vereinzelung, sondern in die Gemeinschaft, zusammen mit Schwestern und Brüdern. Wir brauchen die anderen als Ergänzung und Bereicherung für unser Leben. Es gibt zwar auch Trompetensolos mit all ihrer Schönheit, Klarheit und Virtuosität, aber was gibt es Tragenderes für unseren Gesang als im Advent einen vielstimmig begleitetes 'Macht hoch die Tür', anrührenderes als die Posaunenmusik zu 'Oh du fröhliche' und Jubelnderes als das Österliche Halleluja, von der Fülle eines Posaunenchores intoniert. Die Verschiedenheit der Klänge und der Formen der Instrumente eines Posaunenchores ist für mich klingendes Beispiel der Vielfalt der Kinder Gottes, die zwar nicht alle denselben Ton anstimmen und doch hoffentlich meist harmonisch sich ergänzen, zumindest zum Ende, nach der Auflösung mancher Disharmonien und Misstöne. Und so eine Harmonie zum Lob Gottes, die sollte in der Vielfalt der Gemeinde bei allen Unterschieden immer wieder angestrebt und erbeten werden.

3.  Nicht nur durch uns Pastorinnen und Pastoren, nein, durch jeden Christen will Gott Menschen rufen und ansprechen und nicht nur durch Worte und Predigten, auch ganzheitlich, durch Musik, die Worte verklanglicht und transportiert und Menschen ganzheitlich anspricht. Dieser demokratische Zug des christlichen Glaubens, Luther hat es 'Priestertum aller Glaubenden' genannt und dieses alle Sinne ansprechende des Evangeliums wurde von Anfang an gerade in der westfälischen Posaunentradition gelebt. So mancher machte sich zunächst lustig über, so heißt es in einer Biographie von Kuhlo, 'diese einfachen Bauern, ungehobelten Landmenschen, die Musik machen wollten'. Es waren ja nicht gebildete Kantoren, die hier Musik machten und das deutsche Musikleben prägten. Der Zweig der Kirchenmusik entstand durch Laien, und gerade so wurden Tausende auf Missions- und Posaunenfesten mit der Botschaft des Evangeliums angesprochen und luden andere ein, in der Gemeinschaft mit Musik diesen Glauben weiterzugeben.

Die Hörbarkeit der Posaunen, ihre Vielstimmigkeit und die Ganzheitlichkeit, die jeden Menschen anspricht, diese drei Kennzeichen mögen weiterhin die Posaunenarbeit in Jöllenbeck prägen und so den Glauben an Gott in die Welt hineintragen.

Pfarrerin Regine Burg
Superintendentin des Kirchenkreises Bielefeld


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